Entwurf Herbstsemester 2022
Re-Aggregation. Amsteg I
Bauwerke sind physische Speicher der Geschichte ihrer Zeit und ihres Ortes. Im Alpenraum haben verschiedene Gebäude im Laufe ihrer Lebensdauer ihre Funktion und Bedeutung aus unterschiedlichen Gründen eines Strukturwandels verloren. Wir befassen uns mit einer alpinen Architektur-Brache der Wasserkraft und prüfen an diesem „Aggregat der Geschichte“ die Herangehensweise an den Entwurf und suchen nach der architektonischen Fähigkeit für einen Ort künstlerischer Performance. Wir erörtern Fragen zur Form der Erinnerung, öffentlicher Aneignung und Sinnlichkeit des Raumes.
Gegenstand ist das Kraftwerk Amsteg und seine leerstehende Maschinenhalle. Amsteg ist ein Ort des Durchgangs an der Gotthard-Achse, der an einer ausgeprägten Engstelle des Tales alpine Kultur- und Technikgeschichte räumlich eindrücklich bündelt. Die 1872 erbaute Gotthard-Eisenbahn wurde 1922 durch das Wasserkraftwerk Amsteg elektrifiziert. Das Generationenprojekt der NEAT und der Gotthard- Basistunnel forderten um die Jahrtausendwende einenmassgeblichen Ausbau der SBB-eigenen Stromproduktion, weshalb 1998 ein neues Kraftwerk in einer Felskaverne das Maschinenhaus in Amsteg ersetzte. Seither steht das Gebäude des imposanten Komplexes leer.
Mit der Nutzung für unterschiedliche Theaterformen entwickeln wir eine neue Öffentlichkeit. Während das Theater die Wahrnehmung des Raumes als Phänomen der Bewegung zwischen Subjekt-Körper und Raum-Körper beschreibt, fragen wir, in welche Beziehung das Neue zum Vorgefundenen der Architektur tritt und welche räumlichen Qualitäten die unterschiedlichen Akteure erzeugen. Wie verhält sich das Bewegliche, Temporäre zum Statischen und Vorgefundenen? Das Projekt zeigt Potentiale für den Ort auf und nimmt eine Position im Kontext der Geschichte von Energie und Mobilität ein, als eine De- und/oder Re-Aggregation des Bestandes.
Uns interessiert das Schöpfen aus der vorhandenen Architektur, ideell und materiell als Repertoir des Entwerfens. Wir arbeiten vom Kleinen zum Grossen – vom Detail, zum Raum, zum Haus. Die Konstruktion und die stoffliche Logik der Teile setzen wir in Bezug zu neuen Bauelementen und formulieren konstruktive Konzepte, die experimentell in räumliche übersetzt werden. Der Bestand stellt einen Anker und gleichzeitig einen Fundus dar, den wir entwerferisch produktiv machen. Was sind die Entdeckungen, wie befruchten sie die Imagination von Raum? In stufenweisen Massstäben arbeiten wir mit dem physischen Modell und der Modell-Fotografie als Medium der Bildfixierung. Das Studio wird von BUK begleitet, eine
integrierte Konstruktion wird angeboten.
Einführung
20.09.2022, 10.00 Uhr, HIL F 61
Download Entwurfsstudio HS22 Gastdozentur Menn (PDF, 581 KB)