Entwurf Frühlingsemester 2023

Lehrveranstaltung "Entwurf V-IX"

Studierende ab dem dritten Studienjahr des Bachelor-Studiums sowie Masterstudierende absolvieren die Entwurfsklassen V bis IX.

Team:
Corinna Menn
Cosimo Caccia
Alberto Rossi
Tessa Vollmeier

Workshop Fotografie
Marco Cappelletti


Einführung:
21.02.2023
10.00 Uhr
HIL F 61

 

Transitorische Orte Präfabrikation

Bauwerke sind physische Speicher der Geschichte ihrer Zeit und ihres Ortes. Ist die Zeitlichkeit von Architektur unabhängig von ihrer Lebensdauer unbestritten, wird der Grundsatz der Ortsbezogenheit spätestens durch Präfabrikation und industrielle Bausysteme in der Mitte des 20. Jahrhunderts relativiert. Die Struktur und die stoffliche Logik der Teile sind der Ökonomie von Material und Herstellungsprozessen unterworfen, sie sind reproduzierund ortsunabhängig einsetzbar. Uns interessiert in diesem Semester, „Präfabrikation“ und ihre Zirkularität heute als Antwort auf die Ressourcen- und Energieeffizienz von Architektur zu verstehen. Was kann „Präfabrikation“ in Relation zu Bestand, aber auch als Neubau leisten? Und wir fragen, wie „Technik“ zur schöpferischen Kraft werden und
ästhetische Qualität und Identität erzeugen kann.

Propagierten die Pioniere der Moderne im Kontext der Not des Krieges in Europa eine Evolution der Architektur analog der industriellen Massenproduktion von Konsumgütern, waren Präfabrikation, System und Modularität in den 1960- er Jahren von Entdeckergeist, Wachstumseuphorie und dem Glauben an universelle Lösungen auf die Fragen der Zeit getrieben. Wir vermuten in der Präfabrikation
heute intelligente Antworten auf Langlebigkeit durch Anpassbarkeit, Ressourcenschonung durch Zirkularität und zur Schaffung ortsspezifischer, „handwerklicher“ Werte der Identifikation. Sie stellt keine Reduktion der entwurflichen und konstruktiven Kompetenz dar, sondern fordert sie umso mehr.

Wie in den vorangehenden Semestern befassen wir uns mit Orten und Bauwerken im Alpenraum, die im Laufe der Zeit ihre Funktion und Bedeutung aus unterschiedlichen Gründen eines Strukturwandels verloren haben. In Faido, im oberen Teil der Leventina, der durch den Bau der Nationalstrasse und jüngst den Gotthardbasistunnel vom Alpentransit isoliert ist, treffen wir auf leerstehende Areale, die Potentiale zur Entlastung der urbanen Zentren des Tessins bieten. Wir entwerfen in einem brachen Gewerbegebiet ein Depot für Kunst, das als Schaulager mit einer Forschungseinrichtung einen öffentlichen Charakter erhält.

Wir analysieren präfabrizierte Bauwerke durch ein Jahrhundert und versuchen Motive und architektonische Möglichkeiten einzuordnen. Wir übersetzen konstruktive Konzepte experimentell in räumliche. Uns interessiert aber auch das Schöpfen aus dem Ort und dem Bestand, ideell und materiell als Repertoir des Entwerfens. Wie treffen das örtlich Vorgefundene und die Konzepte der Präfabrikation aufeinander? Wie können wir sie entwerferisch produktiv machen als neues Narrativ des Ortes? Neben der Zeichnung arbeiten wir in stufenweisen Massstäben mit dem physischen Modell und der Fotografie als Bild-Medium, was in zwei Workshops gezielt geübt wird.

Einführung

21.02.2023, 10.00 Uhr, HIL F 61

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