Entwurf Herbstsemester 2021
Struktur und Raum Verhandlung am Bestand
Das Thema des Studios steht im übergeordneten Interesse für den Gebäudebestand, materiell als Ressource und kulturell als Gedächtnis. Wir befassen uns mit der Umnutzung eines seit Jahrzehnten brachen Industriebaus im ländlichen Kontext des Bergwerks Gonzen in Sargans.
Kernthema ist die Beschäftigung mit Phänomenen von Struktur und Raum als „Verhandlung“ an und mit diesem
Bestand. Gegenstand ist die Erzaufbereitungsanlage Malerva, ein solitärer Zeuge der Industriegeschichte des stillgelegten Bergbaus in der Ebene des Sarganser Rheintals. Das Eisen am Gonzen prägte die Region über Jahrhunderte. Nach zahlreichen wissenschaftlichen und technischen Entwicklungsschritten, erlangte der Rohstoffabbau während des zweiten Weltkriegs seine grösste Bedeutung, vor dem Niedergang und der Einstellung des Betriebs 1966. Die Erzaufbereitungs- und Sortieranlage Malerva wurde 1940 nach „neusten Gesichtspunkten“ als räumliches Stahlfachwerk konzipiert. Die Struktur und Form ist frei von ästhetischen Zielen oder Gedanken einer
Nutzungsflexibilität auf die vertikalen und horizontalen Prozessabläufe der Erzverarbeitung und den sparsamen Umgang mit dem Material zugeschnitten. Aus dieser speziellen Bautypologie und Materialität möchten wir entwerferisch Strategien der Umnutzung formulieren und dabei auch eine Haltung zum Ort und seiner Geschichtlichkeit einnehmen. Wir erforschen die ursprüngliche Maschine, die heute ein Raumgerüst ist, das seine Bestimmung verloren hat. Uns interessieren die inneren Gesetzmässigkeiten und das Denken des Entwurfs
aus den Bedingungen von Primärstruktur und Material und die räumlichen Potentiale daraus. Uns leiten Fragen: Welche architektonische Beziehung kann zu diesem filigranen Stahlskelett und seiner spezifischen Form hergestellt werden? Welche räumlichen Strategien und Potentiale eröffnet es? Wie evolutiv geht ein architektonisches Konzept aus dem Bestand als Weiterentwicklung hervor oder wie sehr verselbständigt sich die Intervention zu einer Überformung und Neuschöpfung? Programmatisch entwerfen wir eine Mischnutzung, in der ein Kollektivraum das Herz der Anlage formuliert. Dieser öffentliche Raum ist neuer Bedeutungsträger und sinnhafter Teil des Konzeptes aus den Bedingungen des Bestandes. Wir möchten mit den Projekten Antworten formulieren zur Erinnerung und zur Zukunft dieses Kulturerbes und Fragen der Nachhaltigkeit einbeziehen. Neben dem Umgang mit Materialressourcen fragen wir, ob Eingriffe in das spezifische Raumgerüst Potentiale öffnen für eine generische, nutzungsoffene Struktur. Ist ein Narrativ denkbar, welches das Projekt als Zwischenform in einem zeitlich offenen Lebenszyklus versteht?
Einführung
21.09.2021, 10.00 Uhr, HIL F 70
Download Entwurfsstudio HS21 Gastdozentur Menn (PDF, 270 KB)